Facebook-Werbeanzeigenmanager richtig nutzen

Facebook-Werbeanzeigenmanager: Mehrwertsteuer und politische Werbung

Facebook und Instagram: Das sind nicht nur attraktive Plattformen für politische Akteure, um Botschaften zu platzieren. Im Wahlkampf nutzen Parteien die sozialen Medien insbesondere auch als Werbekanäle. Denn nirgends sonst können so günstig und zielgenau potentielle Wählerinnen und Wähler erreicht werden.

Wie wird die Mehrwertsteuer bei Facebook bzw. Instagram abgerechnet?

Es ist klar: Nicht nur die Inhalte, sondern auch die buchhalterischen bzw. steuerlichen Aspekte der Anzeigenbuchung müssen geklärt sein, vor es an das Schalten einer Werbeanzeige geht. Immer wieder kommt die Frage auf: Wie wird die Mehrwertsteuer bei Facebook bzw. Instagram abgerechnet? Und welche Besonderheiten sind in der Politik zu beachten? Denn eine falsch gesetzte Einstellung genügt, und die örtliche Parteigliederung muss nach der Wahl unvorbereitet 19 Prozent Mehrwertsteuer entrichten. Dann aber sind die Wahlkampfkassen womöglich leer und der Kummer groß.

Wie Du ein solches Szenario vermeiden kannst und mit der Mehrwertsteuer bei politischer Werbung richtig umgehst, erklären wir Dir im folgenden Artikel.

 

Werbekonto: Facebook-Werbeanzeigenmanager richtig einstellen

Zunächst musst Du Dich für das Schalten politischer Werbung autorisieren lassen und ein Facebook-Werbekonto einrichten (Hier findest Du eine Anleitung). Mit dem Facebook-Werbekonto kannst Du sowohl Facebook- wie auch Instagram-Anzeigen für Deinen politischen Verband, Deine Fraktion oder Deine Kandidatenseite schalten. Sobald Du diese Schritte erfolgreich gemeistert hast, wähle in den Einstellungen "Werbung für nicht-geschäftliche Zwecke" aus – da Du in der Regel politische Werbeanzeigen schaltest. Mit der Auswahl von "geschäftlichem" bzw. "nicht-geschäftlichem Zweck" wird die Abrechnung der Mehrwertsteuer gesteuert.

Notwendig ist auch die Angabe der Anschrift des Werbenden (also z.B. Anschrift eine Ortsverbandes), die dann auf den Rechnungen ausgewiesen wird. Eine Umsatzsteuer-ID liegt in den allermeisten Fällen nicht vor, da beispielsweise politische Fraktionen keine unternehmerisch tätigen juristischen Personen sind.

 

a) Ohne Angabe einer Umsatzsteuer-ID und Auswahl "nicht-geschäftlicher Zweck": Versteuerung der Leistung in Deutschland (19 Prozent Mehrwertsteuer)

Bei politischen Akteuren wie etwa einer Partei liegt keine direkte unternehmerische Tätigkeit vor. Dementsprechend ist meist auch keine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (Umsatzsteuer-ID) vorhanden. Politische Akteure sind aber als Leistungsempfänger nicht unternehmerisch tätige juristische Personen. Sind sie also von der Mehrwertsteuer befreit?

Leider nein: Es gibt eine gesetzliche Regelung: Hiernach fallen auf elektronischem Weg im Inland erbrachte Leistungen eines ausländischen Unternehmers im Land des Leistungsempfänger an. Im Fall von deutschen Werbetreibenden ist dies also Deutschland und es muss die deutsche Mehrwertsteuer entrichtet werden. Diese wird in Höhe von 19 Prozent auf den Netto-Betrag, der Dir im Werbeanzeigenmanager angezeigt wird, aufgeschlagen. Vorsicht also bei der Budgetkalkulation!

Rechnung: Wo findet man die Umsatzsteuer-ID

 

b) Nur bei Angabe einer Umsatzsteuer-ID: Reverse-Charge-Verfahren macht Meldung an Dein Finanzamt nötig

Falls Du eine Umsatzsteuer-ID angegeben hast bzw. Facebook mitgeteilt hast, dass Du für geschäftliche Zwecke Anzeigen schaltest, ist Folgendes zu beachten:

Bei Facebook handelt es sich um ein im EU-Ausland ansässiges Unternehmen mit Sitz in Irland. Werden nun Werbeanzeigen über Facebook geschaltet, gilt in der Regel das Reverse-Charge-Verfahren. Dieses Verfahren wird vor allem bei grenzübergreifenden Transaktionen angewendet, weil dadurch für den ausländischen Leistungserbringer (hier Facebook) der Kontakt mit dem deutschen Finanzamt entfällt – eine enorme Vereinfachung. Dieses Verfahren bedeutet eine Umkehrung der Steuerschuldnerschaft.

Hierdurch soll Betrug vorgebeugt und Steuerhinterziehung bei Auslandsgeschäften unterbunden werden. Worum geht es genau? Der Leistungsempfänger (z.B. in diesem Fall die Parteiorganisation oder der Kandidat) ist durch das Reverse-Charge-Verfahren verpflichtet, die Mehrwertsteuer selbst an das zuständige Finanzamt zu entrichten – und nicht wie sonst der Leistungserbringer (hier also Facebook). Das leistende Unternehmen darf dem Leistungsempfänger (Partei, Kandidat) nur den Nettobetrag in Rechnung stellen. Dass das Reverse-Charge-Verfahren überhaupt gilt, muss in der Rechnung jeweils klar gekennzeichnet werden. Auf den Rechnungen von Facebook ist dies auf der letzten Seite als Fußnote unter der Firmenanschrift notiert:

Screenshot: Fußnote unter der Firmenanschrift

 

Mehrwertsteuer für politische Werbung: Unsere Empfehlung

In der Regel ist es empfehlenswert, dass Dir als politischer Akteur oder Mitarbeiter einer Partei bzw. Fraktion von Facebook eine Brutto-Rechnung (also inkl. MwSt.) ausgestellt wird. Damit können die beschriebenen "Überraschungen" bei der Endabrechnung vermieden werden.

Deshalb:

  • "nicht geschäftliche Zwecke" angeben
  • keine Umsatzsteuer-ID angeben
  • bei Deinem Budgetplan bedenken, dass die im Werbeanzeigenmanager angezeigten Ausgaben zuzüglich 19 % MwSt. zu verstehen sind.

 

Welches Verfahren Du bisher ausgewählt hast, kannst Du auch auf der Facebook-Rechnung nachvollziehen:

Entweder findest Du ganz unten auf der Rechnung die Kennzeichnung des Reverse-Charge-Verfahrens. Dann liegt die Steuerschuld bei Dir und Du musst den Rechnungsbetrag an das Finanzamt melden und 19 Prozent von dieser Summe nachträglich an das Finanzamt abführen.

Weitere Informationen zu diesen Regelungen kannst Du dem Gesetzestext unter 13b Abs. 2 Nr. 1 UStG und dem Hilfebereich für Unternehmen direkt im Facebook Business Manager entnehmen. Generell geben wir hier lediglich Erfahrungswerte wieder und können keine Steuerberatung ersetzen. Bei Unklarheiten solltest Du also Deinen Steuerberater sowie auch Dein Finanzamt zurate ziehen.

 

Stand: 22.07.2021

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