Zwischen Techbros & Trust Issues: Die re:publica sucht Lösungen

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KI made in Europe, Trust Graph und digitale Souveränität: Die wichtigsten Debatten und Trends der re:publica 2026 im Überblick. © Stefanie Loos/re:publica

Die re:publica 2026 fühlte sich dieses Jahr weniger wie eine klassische Tech-Konferenz und mehr wie ein kollektiver Reality-Check an. Wer durch die Hallen der STATION Berlin läuft, merkt schnell: Gespräche kippen inzwischen oft schon nach wenigen Minuten von Smalltalk zu Krieg, rechten Narrativen, Online-Hass, KI-Macht oder der nächsten Eskalation im Feed. 

Unter dem Motto „Never gonna give you up“ geht es diesmal nicht um die nächste digitale Utopie oder den nächsten Hype. Es geht um Nachsteuern. Darum, im neuen KI-Zeitalter niemanden zurückzulassen.

1. KI soll Probleme lösen 

Künstliche Intelligenz verändert unseren Alltag längst: unsere Arbeit, unsere Kommunikation, unsere Feeds, unsere Suche nach Informationen und zunehmend auch politische Debatten. Auf der re:publica geht es deshalb vor allem darum, wie KI tatsächlich gesellschaftlichen Nutzen schaffen kann. Die Grundstimmung vieler Panels: Technologie hat keinen Selbstzweck, sondern soll Probleme lösen. 

Neurowissenschaftler und KI-Unternehmer Pascal Kaufmann bringt es provokant auf den Punkt: Dass wir ständig über die angeblich revolutionäre Kraft von KI sprechen, statt über konkrete Anwendungen, sei vor allem Teil der großen Marketing-Erzählung der Techbros aus Kalifornien.

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Gregor Fischer/re:publica

2. „Monopolbildung auf Steroiden“: KI ist eine Machtfrage

Es steht eine grundlegendere Frage im Raum: Wie viel Kontrolle haben demokratische Gesellschaften noch über den digitalen Raum? Re:Publica-Gründer Markus Beckedahl beschreibt die aktuelle Entwicklung in der Eröffnungsrede drastisch als „Monopolbildung auf Steroiden“. Wenige Unternehmen dominierten den Markt für Künstliche Intelligenz und bauten ihren Vorsprung durch gigantische Datenmengen und enorme Rechenzentren immer weiter aus. 

3. Wir brauchen KI made in Europe

Damit verbunden ist eine der zentralen Debatten der diesjährigen re:publica: digitale Souveränität. KI-Unternehmerin Nicole Büttner formuliert in einer Diskussion einen Gedanken, der sich durch viele Panels zieht: „Es braucht Wahlfreiheit.“ Genau diese Wahlfreiheit gehe verloren, wenn neue Schlüsseltechnologien fast ausschließlich von Konzernen aus den USA oder China kontrolliert werden. Es geht um konkrete Alternativen: europäische Infrastruktur, eigene KI-Modelle, mehr Förderung für Start-ups, öffentliche digitale Infrastruktur und auch um Open Source. Quelloffene Software gilt dabei längst nicht mehr nur als Nischenthema für Entwickler, sondern zunehmend als geopolitische Frage. Initiativen wie das Bündnis F5 oder das Zentrum für Digitale Souveränität forderten deshalb gezielte öffentliche Investitionen in europäische Open-Source-Ökosysteme, um die Abhängigkeit von Konzernen wie Google, Microsoft oder OpenAI zu reduzieren.

Dass KI an vielen Stellen schon heute unser Leben vereinfacht, zeigen auf der re:publica zahlreiche konkrete Projekte. Gerade im öffentlichen Sektor wurden Projekte vorgestellt, die Verwaltung deutlich vereinfachen, für Beamte und Bürger gleichermaßen: Open-Source-KI-Systeme für Sozialleistungen, intelligente Bürgerservice-Plattformen oder Schleswig-Holsteins Umstieg auf freie Software in der Verwaltung.

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4. Real Talk: ‚Das Menschliche‘ bleibt gefragt

KI soll lästige Aufgaben abnehmen, Prozesse effizienter machen und Menschen entlasten. Gleichzeitig bleibt das Menschliche gefragt. Kommunikationsberaterin Carline Mohr beobachtet eine deutliche Gegenbewegung zur KI-Fließbandtextproduktion. Weg von austauschbaren Standardformulierungen, mechanischer Sprache und perfekt optimierten Texten. „Wir brauchen echte Menschen, die über echte Themen reden“, lautet sinngemäß die Botschaft.

5. Trust Issues: Der Trend heißt Vertrauen

Das verändert auch die Logik sozialer Plattformen. Lange dominierte der sogenannte Social Graph: Reichweite entstand vor allem über Netzwerke, Beziehungen und soziale Connections. Mit TikTok rückte dann der Content Graph in den Mittelpunkt. Plötzlich konnte auch ohne große Community ein einzelnes starkes Video viral gehen. Auf der re:publica wird nun immer häufiger über den nächsten Schritt gesprochen: den „Trust Graph“. In einer Welt voller KI-generierter Inhalte, Deepfakes und Fake News werde Vertrauen zur wichtigsten Währung. Wem glauben Menschen noch? Wer wirkt langfristig glaubwürdig, verständlich und authentisch?

Menschen wollen heute keine sterile oder scheinbar neutrale Kommunikation mehr. Vom CEO über den Journalisten bis hin zum Content Creator und Politiker. Sie wollen Einordnung, Haltung und Einblicke hinter die Kulissen: Wie entsteht ein Beitrag? Welche Gefühle stecken hinter der Produktion? Welche Diskussionen gibt es vor einem Interview oder Videodreh? Genau diese Momente schaffen Nähe und Glaubwürdigkeit.

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Fazit: Wir machen uns die digitale Welt, widdewidde wie sie uns gefällt

Die re:publica 2026 macht dieses Jahr eines deutlich: Über die Zukunft des digitalen Raums bestimmen immer noch wir Menschen. Wir wollen authentische und vertrauenswürdige Informationen statt Deepfakes und Plattformmanipulation. Wir wollen Wahlfreiheit statt technologischer Abhängigkeit von wenigen Konzernen. Und wir wollen, dass Technologie und vor allem KI unser Leben tatsächlich einfacher machen. 

Klar ist auch: Technologie ist Macht. Europa muss deshalb dringend aufholen, wenn es genau diese digitale Selbstbestimmung nicht verlieren will. Dass Europa KI kann, zeigen schon heute viele Unternehmen, Start-ups und Open-Source-Projekte. Sie brauchen die richtigen Rahmenbedingungen, damit sie mit den großen Tech-Konzernen mithalten können.